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The Walking Dead:

Austin Amelio und Josh McDermitt im Interview

The Walking Dead: "Ihr solltet immer das Schlimmste erwarten"

Anfang März waren die "The Walking Dead"-Stars Austin Amelio (l.) und Josh McDermitt für ein Fan-Screening zur 7. Staffel der Erfolgsserie zu Besuch in München.

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Auf dem Bildschirm sind sie Feinde: Josh McDermitt spielt Eugene Porter, der zur Gruppe um Rick Grimes (Andrew Lincoln) gehört, aber von Negan (Jeffrey Dean Morgan) verschleppt wurde. Im Hauptquartier der Saviors stößt er auf Dwight (Austin Amelio). Die vernarbte Gesichtshälfte verdankt er seinem Anführer – als Bestrafung drückte ihm Negan ein glühendheißes Bügeleisen auf die Wange. Hinter den Kulissen verstehen sich die beiden allerdings ganz besonders gut, und auch im Interview wird viel gescherzt und gelacht. Warum Josh McDermitt zusammenzuckt, wenn sein Telefon klingelt, und weshalb Austin Amelio die Serie vorher gar nicht kannte, erfahren Sie im Interview …

OSF: Ihr seid beide bei TWD eingestiegen, als die Serie schon eine Weile lief. Wart ihr vorher schon Fans?

Josh McDermitt: Ja, ich war ein Riesenfan. Wir trafen uns immer mit Freunden und der Familie und haben gemeinsam geguckt. Wenn jemand nicht auftauchte, weil er arbeiten musste, riefen wir ihn sofort am nächsten Morgen an, um zu hören, ob er die Folge gesehen hat.

Austin Amelio: Ich kannte die Serie nicht, ich besaß keinen Fernseher. Als ich dann die Zusage bekam, lieh ich mir bei meiner Nachbarin den Wlan-Zugang und legte mit meiner Frau einen Serienmarathon hin. Jetzt liebe ich die Serie. Und kann meinen Freunden dabei zusehen, wie sie darin spielen. Das ist total verrückt und so cool. Ich sehe meine Freunde im Fernsehen.

OSF: Was macht eurer Meinung nach die Faszination aus?

Austin: Es wird einfach nicht langweilig. Ich meine, das Zeug, das sie sich ausdenken, ist der Wahnsinn. Man stellt sich immer die Frage: Wie würde ich mit der Situation umgehen? Man hinterfragt alles. Selbst wenn Zombies rumlaufen, die davon ablenken, ist es ganz simpel: Die Menschen in der Serie versuchen irgendwie, ihrem moralisch Kompass zu folgen. Das können wir alle total nachvollziehen.

Josh: In unserer Welt herrscht heute viel Unsicherheit. Jedes Mal wenn wir das Radio anschalten oder in die Zeitung sehen, erfahren wir, dass wieder irgendein Land mit einem anderen im Krieg liegt. Dazu kommt die instabile wirtschaftliche Lage. Es fühlt sich an, als wären wir nicht mehr weit entfernt von einer Apokalypse. Dahinter steckt mehr als die Überlegung, wäre ich eher wie Rick oder wie Daryl. Wer weiß, viele von uns könnten mehr wie Negan sein, vielleicht drehen wir einfach durch, würden verrückt. Das wirft jede Menge Fragen auf. Und der Erfolg der Serie liegt sicherlich auch darin, dass es eben um mehr geht als einfach nur um Zombies. Es geht um diese Leute, die ums tägliche Überleben kämpfen. Ich bin überhaupt kein Horrorfan, doch ich hab die Serie immer wegen dieses menschlichen Elements geguckt.

OSF: Denkt ihr, die Serie geht mit der Gesellschaft zu hart um? Oder zu optimistisch?

Josh: Ich weiß es nicht. Jedes Mal, wenn ich auf meinen Glauben an die Menschlichkeit vertraue, werde ich enttäuscht. Und jedes Mal, wenn ich pessimistisch bin und mir denke, dass jede Hoffnung verloren ist, dann animiert mich das. Ich möchte hoffen, die Gesellschaft würde sich anders verhalten, als sie das in der Serie tut. Ich möchte da optimistisch bleiben. Die Dinge sind nicht einfach schwarz oder weiß. Und auch in der Serie treffen die Figuren immer wieder Entscheidungen, die aus moralischer Sicht durchaus fragwürdig sind.

Austin: Und du siehst, wie sie deswegen Kämpfe mit sich selbst austragen, was sehr interessant ist. Was mache ich, was ist der bessere Weg, damit ich überlebe, oder damit meine Leute überleben.

Josh: Ich hoffe, unsere reale Gesellschaft würde besser damit umgehen, als wir das in der Serie tun. Das ist eine wirklich sehr gute Frage, die hat mir noch niemand gestellt.

OSF: Wie steht's mit eurer privaten Unsicherheit? Macht es euch Angst, wenn das Telefon klingelt, weil es der "Todesanruf" sein könnte?

Josh: (lacht) Wir versuchen nicht zu viel darüber nachzudenken. Die Dreharbeiten machen so viel Spaß, man würde zu viel verpassen, wenn einem nur dieser Gedanke im Kopf herumspukt. Wir haben bereits lange vor der Serie als Schauspieler gearbeitet und werden es auch weiterhin tun, wenn die Zeit vorbei ist. Das machen Schauspieler – du lebst von Job zu Job.

Austin: Auch wenn du Teil einer so erfolgreichen Serie bist, verlierst du nie das Gefühl, du könntest den Job wieder los sein. Das steckt in allen von uns.

Josh: Aber klar, wenn das Telefon klingelt, denkst du im ersten Moment schon: "Oh-oh … Könnten Bad News sein".

OSF: Was wäre für euch persönlich der beste Weg abzutreten? Von einem Beißer gebissen? Durch Negans Hand zu sterben? Oder ganz was anderes?

Josh: Ich würde am liebsten als Held abtreten. Und im Zuge dessen noch einmal als Beißer zurückkehren und ein paar Charaktere mitnehmen. (ruft laut) Wenn ich sterben muss, dann müsst ihr auch sterben! (lacht)

Austin: Ich möchte in einem Kampf für etwas, das ich liebe, untergehen. Das wäre episch. Wenn es so läuft … großartig. Und wenn mich Negan unvermittelt niederschlägt, dann soll das so sein. Wir werden sehen.

OSF: Das Finale der 6. Staffel war ein Riesenschock. Wird uns das Finale der 7. Staffel ähnlich verstört zurücklassen?

Josh: Große Dinge geschehen nicht nur in einer ersten oder letzten Folge. Wir nähern uns ganz gewiss einigen erstaunlichen Ereignissen, ob die ihren Höhepunkt im Finale haben werden, bleibt abzuwarten. Doch ihr solltet immer vorbereitet sein und stets das Schlimmste erwarten, denn das liegt in der Natur dieser Serie. So bleibt die Spannung. Und das liebe ich.

Austin: Ja, es wird ganz schon heftig …

OSF: Chandler Riggs, der Carl spielt, ist heute 17. Als die Serie startete, war er etwa zehn Jahre alt. Wie schützt man einen so jungen Menschen, der die Serie zwar nicht sehen darf, aber selbst mitspielt?

Austin: Wenn du zehn oder elf bist, kannst du schon zwischen Fantasie und echtem Leben differenzieren. Sogar mein dreijähriger Sohn sieht die Serie zusammen mit meiner Frau. Ich weiß, das ist nicht wirklich gut, er hält sich oft die Augen zu. Aber er versteht, dass das Fake ist. Und dass es keine Zombies gibt. Und wenn du zehn oder elf bist, und du bist am Set, siehst, wie das Make-up gemacht wird … Ein Teil davon zu sein nimmt dem Ganzen den Schrecken, denke ich.

OSF: Fragt dich dein Sohn, woher du die Narben im Gesicht hast? Oder warum dich diese bösen Männer zusammenschlagen?

Austin: Oh, das war witzig! (wendet sich an Josh) Als die Folge lief, in der Negans Leute mein Zimmer stürmen, war ich gerade in L.A., und meine Frau rief an: "Er war sehr besorgt um dich, weil diese Typen dich angriffen. Er sagte: 'Was passiert da mit Dada? Wer sind die Männer?'" Aber er ist ein kluges Kerlchen, wir haben ihm erklärt, dass das nicht echt war. Und ich rief ihn über FaceTime an, um ihm zu zeigen: "Ich bin okay!" Ich behandle ihn wie einen Erwachsenen. Oder vielleicht ist es auch andersrum und er behandelt mich als wäre ich drei (lacht).

OSF: Denkt ihr, durch eure Arbeit an "The Walking Dead" wärt ihr auf eine echte Zombie-Apokalypse vorbereitet?

Josh: (lacht) Aber klar, wir kennen offensichtlich die Gesetze dieser Welt und wissen, wo die Stolperfallen sind, in die andere hintappen. Wie zum Beispiel, dass ihnen ihre Arroganz im Weg steht, du musst in der Lage sein, dich anzupassen, Dinge anzunehmen, um zu überleben. Und du kannst niemandem trauen. Nicht einmal deinen engsten Freunden.

Austin: Die Menschen, die im wirklichen Leben ein bisschen verrückt wirken? Haltet euch von denen fern, wenn die Zombie-Apokalypse kommt! Die neigen dazu, die Kontrolle zu verlieren …

Die 7. Staffel von "The Walking Dead" läuft immer montags um 21.00 auf Fox, u.a. auf Sky.  

 

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Autor: Simone Jung