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Guy Ritchie: Ein halbes Jahrhundert filmische Coolness aus England

Very British: Alles zum Leben und Tun von Guy Ritchie

Guy Ritchie: Ein halbes Jahrhundert filmische Coolness aus England

Mit seinen Gangster-Komödien hat der britische Regisseur Guy Ritchie längst Kultstatus erreicht. Doch auch der schützt vorm Älterwerden nicht: Am 10. September feiert der Ex-Mann von Madonna seinen 50. Geburtstag und oh-so-famous.de gratuliert.

Blaues Blut in den Adern

Guy Ritchie wurde am 10. September 1968 in Hatfield, Hertfordshire, im Norden Londons als zweites Kind von Amber und John Vivian Ritchie geboren. Sein Vater war ein ehemaliger Seaforth Highlander (spezielles Infanterieregiment der englischen Armee) und leitender Angestellter in einer Werbefirma. Ihm hat Guy Ritchie einen Spritzer adeliges Blut in den Venen zu verdanken. Seine Urgroßeltern sind nämlich mit der britischen Königsfamilie verwandt. Seine väterliche Blutlinie lässt sich sogar bis ins 13. Jahrhundert, zu König Edward I. von England zurückverfolgen.

Vom Rebell zum Regisseur

Ritchies Eltern ließen sich scheiden, als er noch ein Kind war. In der Schule hatte er es nicht leicht. Er war ein Querulant, machte oft Ärger und flog von nicht weniger als zehn Schulen. Viele Stars geraten aus der Spur, nachdem sie berühmt geworden sind – Guy Ritchie hakte diese Phase schon ab, als gerade einmal 15 Jahre alt war und bereits zum zweiten Mal von einer der renommiertesten Schulen des Landes geworfen wurde. Die Gründe für seinen Rauswurf? Ritchie selbst verriet der Presse, es sei um Drogenmissbrauch gegangen, sein Vater gab an, sein Sohn habe einer Mitschülerin auf seinem Zimmer – sagen wir mal – seine "Briefmarkensammlung" gezeigt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

In der Schule fühlte sich Ritchie jedenfalls nie wirklich wohl. Ein Grund dafür war, dass Guy Richtie unter der Lernstörung Legasthenie leidet. Deswegen fiel ihm das Pauken schon immer schwer. Und deswegen machte er auch in der Schule lieber Unfug, anstatt Bücher zu wälzen. Er schloss die Schule aber dann doch ab. Und zwar mit einem "General Certificate of Secondary Education" (in Deutschland vergleichbar mit einem Realschulabschluss) in – wie sollte es auch anders sein – Filmwissenschaft.

Erste Erfahrungen und Durchbruch

Seine Karriere begann Guy Ritchie 1995 als Regisseur von Werbefilmen und Musikvideos. Noch im selben Jahr drehte er den Kurzfilm "The Hard Case" (1995). Mithilfe seines Debütwerkes und der Unterstützung seines Vaters, der über einige Kontakte zu Produzenten verfügte, zog er weitere Geldgeber an Land, die ihm halfen, seinen ersten Spielfilm "Bube, Dame, König, grAS" (1998) zu finanzieren. Der Independentfilm wurde weltweit zu einem großen Erfolg und verhalf unter anderem Jason Statham und Vinnie Jones, die unter Ritchie ihren ersten Auftritt vor der Kamera hatten, zu weiteren Rollen.

In den folgenden Jahren spezialisierte sich Ritchie auf britische Gangster-Komödien. Auf "Bube, Dame, König, grAS" folgte "Snatch – Schweine und Diamanten" (2000), der bereits ein größeres Budget hatte und mit Schauspielern wie Brad Pitt, Benicio del Toro und Dennis Farina im Cast aufwarten konnte. Der Film war ein kommerzieller Erfolg und gilt heute schon als Kult. Weiter ging es mit Filmen wie "Revolver" (2005) oder "Rock N Rolla" (2008). Ersterer floppte, "Rock N Rolla" (2008) mit Gerard Butler in der Hauptrolle wurde von Publikum und Kritikern positiv bewertet.

Auf Erkundungstour in neue Genres

In einem Interview sagte Guy Ritchie einmal, dass man als Regisseur am besten in jedem Genre einmal gearbeitet haben sollte. Bisher hatte er aber nur das Drama "Swept Away" (2002) und diverse Gangsterkomödien gedreht. Also kam 2009 der Action-Thriller "Sherlock Holmes" (2009), basierend auf dem Charakter von Sir Arthur Conan Doyle dazu. Ritchie, mit seinem Faible für Kampfszenen, fügte dem hochintelligenten Londoner Detektiv eine schlagfertige Komponente hinzu. Eine Synthese, die es so noch nicht gegeben hatte, die von vielen Zuschauern aber positiv aufgenommen wurde. Der zweite Teil "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ kam 2011 in die Kinos und erhielt ebenfalls weitgehend wohlwollende Kritiken.

Zuletzt fügte er seinem Lebenslauf mit "King Arthur: Legend of the Sword" (2017) noch einen Fantasy-Abenteuerfilm hinzu. An den Kinokassen war der Streifen allerdings ein historischer Misserfolg und kostete die Studios wohl knapp 150 Millionen Dollar. Auch beim Publikum kam der Film nicht gut an. Für die nächsten Jahre sind bereits weitere Filme geplant: 2019 soll "Aladdin" erscheinen – eine Musical-Adaption des Disney Zeichentrick-Abenteuers von 1992. Wie gesagt, Ritchie will immer neue filmische Dimensionen erkunden. Danach ist außerdem ein dritter Teil der "Sherlock Holmes"-Reihe geplant, sowie "Toff Guys", ein Film, mit dem Ritchie an Gangsterkomödien seiner frühen Schaffensphase anknüpfen will. Wir dürfen gespannt sein!

Der unverwechselbare Stil

Von manchen wird Guy Ritchie wegen seines unverwechselbaren Stils als britischer Quentin Tarantino bezeichnet. Dazu gehören meist eine Anfangssequenz, in der alle Charaktere expositionsartig vorgestellt werden, ein tempogeladener Erzählstil mit schnellen Abfolgen von Schnitten sowie ein geschickter Einsatz von Zeitlupensequenzen, wie zum Beispiel in der berühmten Kampfszene aus "Sherlock Holmes" (2009). Hinzu kommt ein handverlesener Soundtrack. Eine auf absolute Coolness getrimmte Mischung, die richtig gut ankommt.

Privates

Nicht nur für seine Arbeit als Regiesseur, auch für seine jahrelange Ehe mit Pop-Queen Madonna ist Guy Ritchie weltweit bekannt geworden. Nachdem "Bube, Dame, König, grAS" (1998) ein internationaler Erfolg wurde, lernte er die Pop-Queen kennen, deren Label den Soundtrack zum Film produzierte. Kurz darauf, im Jahr 2000, heirateten die beiden auf Skibo Castle in Schottland. Das Paar hat einen leiblichen Sohn, Rocco John Ritchie, und adoptierten im Jahr 2006 noch den malawischen Jungen David. Schon zwei Jahre später, 2008, war es mit der Liebe zwischen den beiden nach acht Jahren Ehe aber vorbei. Madonna reichte wegen unüberbrückbarer Differenzen die Scheidung ein.

Am Boden zerstört blieb allerdings niemand zurück – schon Monate zuvor wurden Gerüchte laut, der Regisseur sei genervt von Madonnas Gesundheitswahn und dem Leben nach den Gesetzen der Kabbala überdrüssig. Er wünsche sich, mal wieder gemütlich ein Pint im Pub mit Freunden zu trinken. Very british. Madonna auf der anderen Seite konnte Ritchies "unzumutbares Verhalten" nicht mehr ertragen. Eine einvernehmliche Scheidung also. Einen Rosenkrieg wollte das Paar zugunsten der Kinder vermeiden und so verzichtete Ritchie auf die Hälfte von Madonnas Vermögen, was ihm die Öffentlichkeit sehr hoch anrechnete. Ganz leer ging er dann aber auch nicht aus: Er erhielt wohl 50-60 Millionen Pfund Abfindung. Das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder wurde unter beiden Parteien fair aufgeteilt.

Neues Glück

2010 lernte Guy Ritchie das englische Model Jacqui Ainsley kennen. Beide gaben sich 2015 das Ja-Wort. Doch schon seit der ersten gemeinsamen Zeit, ist das Paar ein Herz und eine Seele, wie Guy Ritchie in einem Interview gestand: "Ich bin sehr glücklich. […] Wir streiten einfach nicht! Sie beendet meine Sätze und weiß, was ich denke, lange noch bevor ich es weiß." Das klingt doch nach purer Harmonie, die Ritchie sehr zu schätzen weiß. Mit seiner Angetrauten hat er bislang drei Kinder: Sohn Rafael (geboren am 5. September 2011), Tochter Rivka, (geboren am 29. November 2012) und Sohn Levi (geboren am 8. Juni 2014). Seine Kinder sind heute Ritchies ehrlichsten Kritiker sind, wie er meint. Erfolg im Job und Glück in der Liebe und Familie: Guy Ritchie führt nach eigener Aussage ein äußerst glückliches Leben. So kann es gerne auch noch die nächsten 50 Jahre weitergehen – hoffentlich noch mit vielen weiteren Filmen. Happy Birthday, Guy!

Autor: Lukas Klaas