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"Justice League": DCs Antwort auf Marvel's "Avengers"

Bis heute gilt "Batman: The Dark Knight" als bester Superheldenfilm aller Zeiten, für viele zählt er sogar zu den besten Filmen seit der Jahrtausendwende. Und trotzdem sitzt Marvel auf dem Thron des Superhelden-Genres. Das hat einen entscheidenden Grund: Im Gegensatz zu DC schaffte es Marvel, ein Franchise zu etablieren. Das Studio kreierte das "Cinematic Universe", also einen filmübergreifenden Zusammenhang der einzelnen Titel, so dass jede Storyline als Teil eines großen roten Fadens geschaffen wurde. Dadurch konnten sich die Filme aufeinander beziehen, Gastauftritte anderer Helden wurden möglich und Marvels Flaggschiff "The Avengers" konnte auf lange Sicht vorbereitet werden. Wer die bisherigen Filme gesehen hatte, fand sich durch die Kontinuität der übergeordneten Rahmenhandlung sofort zurecht. Und daran scheiterte DC: Durch verschiedene Reboots, Cast-Wechsel (Batman: Ben Affleck für Christian Bale, Superman: Henry Cavill für Brandon Routh) und einer generellen Minderheit von Filmen gegenüber Marvel. Dies versucht DC nun aufzuholen, und brachte im Rahmen ihres eigenen "Extended Universe" mehrere Filme auf den Markt, angefangen bei "Man of Steel" (2013), über "Batman vs. Superman: Dawn of Justice" (2016), "Suicide Squad" (2016) und "Wonder Woman" (2017), bis hin zum aktuellen "Justice League" (2017). Das Problem: Bis auf "Wonder Woman" konnte keiner der Filme überzeugen, "Suicide Squad" erhielt sogar überwiegend negative Kritiken. Jetzt also "Justice League": Wie schneidet DCs Superhelden-Starensemble ab?

Großer Bösewicht, kleine Wirkung

Drei Oscar-Preisträger, drei Oscar-Nominierte, Zack Snyder als Regisseur und Joss Whedon, der zuletzt für ebenjene finanziell erfolgreichsten Filme des Konkurrenten Marvel ("The Avengers") das Drehbuch schrieb – DC fuhr die schwersten Geschütze auf, um zu garantieren, dass "Justice League" ein Erfolg wird. Dabei gilt es zwischen zwei Arten von Erfolg zu unterscheiden: Qualität des Films und Quantität der Einnahmen, vor allem in Hinblick auf Marvel. Durch die vielen Fans des Genres und die große Vorfreude auf den Film wird "Justice League" für sich genommen kein Flop an den Kinokassen. Aber die Frage, ob er Marvel's Kassenschlagern Paroli bieten und qualitativ überzeugen kann, steht auf einem anderen Blatt. Denn der Film hat an einigen Stellen große Makel, allen voran Bösewicht "Steppenwolf", dessen Handlanger fliegende Insekten-Monster sind, weiß zu keiner Zeit zu überzeugen. Nicht nur wirkt der rein durch CGI auf die Kinoleinwand projizierte außerirdische Aggressor grafisch wie aus einem Videospiel, er bleibt auch über den kompletten Film hinweg äußerst blass und strahlt kaum eine ernste Bedrohung aus. In seiner Hintergrundgeschichte, die in ein paar Sätzen erzählt wird, und in seiner Persönlichkeit, vermisst man Tiefe und wünscht sich mehr als die einfache und farblose "Ich will die Welt zerstören"-Motivation. Dazu kommt, dass durch die von ihm ausgehende Gefahr zu keiner Zeit Bedrohlichkeit vermittelt wird – die Spannung bleibt somit auf der Strecke. Zieht man dann noch den Vergleich zum Gegenstück der Konkurrenz, Bösewicht "Ultron" aus "Avengers: Age of Ultron", muss der groß gewachsene Steppenwolf klein beigeben. 

Bombastisches Kino – aber wenig dahinter

Der Bösewicht-Flop wäre zu verkraften, wenn er in eine gute Story verpackt wäre. Nur ist dem leider nicht so: Zu keiner Zeit weiß die bombastisch inszenierte Geschichte rund um die sechs Superhelden zu überraschen. Der Plot ist vorhersehbar und geradlinig, die Formel für das Zusammenführen verschiedener Superhelden fühlt sich verbraucht an. Das liegt wohl auch daran, dass man es fast genauso schon bei Marvel gesehen hat: Die durch die großen Egos der einzelnen Weltenretter ausgelösten Kabbeleien, die ein Team-Building gegen den gemeinsamen Feind zunächst erschweren, dann aber begünstigen. Zugutehalten muss man dem Film aber, dass die Chemie zwischen den Charakteren gut transportiert wird und deren Wirken in sich schlüssig bleibt – mal abgesehen von den teils sehr erzwungenen Lachern. Vor allem Gal Gadot (32) alias Wonder Woman weiß erneut zu überzeugen, auch Henry Cavill (34) und Ben Affleck (45) sieht man an, dass sie sich an ihre Rollen als Superman und Batman gewöhnt haben. Währenddessen tut Jason Momoa (38) als Aquaman das, was er schon als Khal Drogo in "Game of Thrones" am besten konnte: Gefährlich schauen und dabei gut aussehen. Ezra Miller (25) bringt als der schnellste Mann der Welt dazu etwas frischen Wind in den Film. Zu Ray Fishers Rolle als Cyborg lässt sich nur wenig sagen – er bemüht sich, die dramatische Hintegrundgeschichte anschaulich darzustellen, trotzdem findet man nur selten Zugang zu dem Hybriden. 

Gelingt DC die Aufholjagd?

Fraglos hat der Film seine Momente, unter anderem eine der Eröffnungsszenen, in denen zu "Everybody Knows", gesungen von Sigrid, verschiedenen Aufnahmen die Nachwirkungen von Supermans Tod ("Batman vs. Superman: Dawn of Justice") zeigen. Hier transportiert der Film eine ausgezeichnet düstere, bedrückende Stimmung, die er aber im Laufe des Films nicht mehr wiederfindet. Im Vergleich zu Marvel war DC immer dafür bekannt, dunklere und bedrohlichere Kost zu servieren – davon ist in Justice League jedoch wenig bis nichts zu spüren. Vielen Fans wird der Film trotzdem gefallen, vereint er doch zum ersten Mal so viele verschiedene Superhelden aus dem DC-Universum wie noch nie und bietet trotz Schwächen durchweg visuell gute Unterhaltung der Marke "Popcorn-Kino". Zum derzeitigen Branchenprimus Marvel in der Kategorie Superheldenfilme fehlt DC jedoch noch ein gutes Stück. Zwar wurde nun eine Grundlage geschaffen, auf der man ganz nach dem Vorbild der Konkurrenz etwas aufbauen kann, so muss dieser Weg nun konsequent weiterverfolgt werden. Wenn dann in den nächsten Jahren weitere Helden durch Solo-Filme etabliert wurden ("Aquaman" Ende 2018, "Flashpoint" 2020, usw.) kann DC ernsthaft an Marvels Thron rütteln – aktuell reicht es aber noch nicht.

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Autor: Felix Herz